Kapsel rein und Kaffee raus – sogar mit Schaum – das kann doch nicht schmecken?! Zumindest nicht wie echter Espresso, den Harald Teufel in seinem Laden Sancta Coffea in der Südstadt zaubert. Frisch gemahlen, mit Ruhe zubereitet, stark und belebend. Christina Schindler hat den Kaffeetter aus Karlsruhe für uns besucht und sich die fünf größten Fehler zeigen lassen, die das Aroma verderben.

Behutsam entnimmt Harald dem vakuumierten Beutel drei Löffel Bohnen. „Nicht kippen! Und gut verschließen!“, fügt er mit erhobenem Zeigefinger hinzu. Denn damit beginne schon der schlechte Geschmack. Die Bohnen sollen so wenig Sauerstoff wie möglich abbekommen und immer frisch vor dem Verzehr gemahlen werden, da sie sonst an Geschmack verlieren. Man denke an die vorgepackten Senseo-Pads und Nespresso-Kapseln. Fehler Nummer 1 enttarnt.

90 Grad sollten es sein

 

Die Mühle mahlt, das Aroma erfüllt den Raum. Harald klopft das Pulver zurecht, haut einmal vorsichtig mit dem Hebel auf den Tisch, bevor er mit einer Art Stempel alles andrückt. „Das Pulver muss gleichmäßig verteilt sein“, erzählt er und dreht den Siebträger in die Maschine, die vorgeheizt vor sich hin murmelt. Er empfiehlt eine Temperatur von 90 Grad Celsius. Heißer oder kälter soll es nicht sein, sonst verbrenne der Kaffee, wird sauer oder unaromatisch. Das ist also Fehler Nummer 2, bekannt von vielen Coffee to Go’s, die zackig zubereitet werden.

„Wenn die Maschine durchläuft, hast du ungenießbare Plörre“

 

Während aus der Maschine cremige dunkle Materie plätschert, zählt Manfred bis 25 und schaltet dann fix ab. „Wenn du die Maschine durchlaufen lässt, bis die Tasse voll ist, hast du ungenießbare Plörre, weil sich nach 30 Sekunden Druck die Bitterstoffe entfalten “, erklärt der Kaffeeretter. Fehler Nummer 3. Auch das kommt häufig vor in Cafés, in der ungelernte Baristas für den Kaffee zuständig sind. 

Nun kommt der Schaum. Fluffig fällt er in die Tasse und verbindet sich sofort zu einem Cappuccino aus Mokka- und Weißtönen mit Blütenmuster, wie er im Buche steht. „Kennst du diesen Bauschaum, der dann im Pappbecher hängen bleibt? Genau das passiert, wenn die Milch zu heiß geschäumt wird, weil ab 70 Grad das Eiweiß gerinnt“, sagt Harald und nippt zufrieden an seinem perfekten Milchkaffee aus der vorgewärmten mintgrünen Tasse und schiebt mir meine zu. Fehler Nummer 4 notiert. 

Mokka, Espresso, Cappuccino?

 

„Schmeckt’s?“ fragt Harald und ich nicke nur, während er das allerwichtigste erzählt, was es über Kaffee zu wissen gibt. „Letzten Endes kommt es darauf an, dass der Kaffee frisch und kalt gemahlen wird. Da kannst du auch Omas alte Handmühle benutzen. Die Mühle muss Mahlscheiben haben, keine rotierenden Messer“. Fehler Nummer 5. Mit frischem Kaffee kann man nichts falsch machen. Man kann ihn als Mokka kochen, filtern oder einfach mit Wasser übergießen. Wer aber auf Espresso steht, kommt nicht drumrum, eine Siebträgermaschine zu kaufen. Denn nur mit dem Druck der Maschine plus 90 Grad heißem Wasser zaubert man ebenso einen Wachmacher-Espresso wie Manfred. 

Keine Kohle, aber Lust auf guten Kaffee? 

 

Du liebst Kaffee, kannst dir aber keine Siebdruckmaschine für mehrere Hundert Euro leisten? Was tun? Auf die Coffee-to-go’s verzichten, die du für 3 Euro mal so eben trinkst, sich stattdessen gute Bohnen, eine Mühle und einen Milchschäumer zulegen. Mit 90 Grad heißem Wasser filtern. Auf jedem Flohmarkt gibt es diese alten weißen Melitta-Filter. Das gesparte Geld (10 Coffee to go’s in der Woche) drei Monate lang in die Spardose werfen (macht 360 Euro) , alte Senseo- oder Kapsel-Maschine verkaufen (30 Euro), zum Geburtstag und Weihnachten Geld schenken lassen (200 Euro)  und tadaaaaa eine Espresso-Maschine kaufen, der ein Leben lang hält und sich reparieren lässt. Das nennt sich dann gelebte Nachhaltigkeit. 

Mehr Infos & Kaffee: Sancta Coffea, Schützenstraße 50, 76137 Karlsruhe ♦ www.sanctacoffea.de

Text und Bilder von: Christina Schindler, Redakteurin & Autorin aus Karlsruhe

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